Körperliche Erschöpfung – dein Körper braucht länger als dein Kopf, um etwas zu verarbeiten

Feb 10, 2021

Frühjahrsmüdigkeit 2021: Seit wenigen Wochen spüre ich eine deutliche Erschöpfung. Es fällt mir schwer ein- und durchzuschlafen und auch die Verdauung, eine der wichtigsten Indizien für körperliche Balance im Ayurveda, spielt etwas verrückt. Dabei mache ich doch gar nichts anders als sonst…

Ich habe das schon einige Male erlebt: Meist beginnt es damit, dass ich irgendetwas Persönliches verarbeitet habe. Mental ist das Thema abgeschlossen, und plötzlich ist da diese zunächst unerklärliche körperliche Müdigkeit, die mich zur Ruhe zwingt. Oft wird mir nach ein paar Stunden Ratlosigkeit klar: Genau jetzt verarbeitet mein Körper das Thema.

Aus ayurvedischer Sicht macht das vollkommen Sinn: Der Kopf, stark geprägt von Luft und Äther, kann Dinge schneller verarbeiten – besonders mit starker Vata-Ausprägung wird das noch deutlicher. Der Körper hingegen ist geprägt von viel grobstofflicher Materie und somit weniger schnell und flexibel veränderbar. Das bedeutet: Veränderungsprozesse wirklich zu verkörpern (auf Englisch “Embodying” klingt es noch schöner) dauert eine gewisse Zeit.

Auch in der Yogalehre ist der physische Körper der grobstofflichste – der emotionale, mentale und energetische Körper sind alle feinstofflicher – also beweglicher.

Wir denken oft (vor allem mit dem fixen Vata-Verstand), dass unser Körper genauso schnell sein müsste wie unser Kopf – im Gegenteil kann es uns jedoch helfen, den Unterschied anzuerkennen und unserem Körper mehr Zeit und Entspannung zu gönnen. Dafür werden wir dann mit einer wunderbaren Erdung belohnt, wenn wir Dinge nicht nur mental verstanden, sondern wirklich verkörpert haben.

Wenn ich diese körperliche Erschöpfung spüre, bin ich normalerweise von der vorausgegangenen mentalen Verarbeitung auch noch mental leicht müde. Diesmal, Anfang Februar 2021, fallen mentale und körperliche Verarbeitung scheinbar soweit auseinander, dass meine mentale und körperliche Konstitution stark auseinanderliegen:

Auf körperlicher Ebene diese wahnsinnige Erschöpfung – auf mentaler & emotionaler Ebene komme ich jedoch sehr schnell in einen zufriedenen und sogar motivierten Zustand zurück. Meine Freundinnen berichten mir ähnliche Erlebnisse. Meine starke Vermutung ist, dass wir erst jetzt, nach dem wir seit rund einem Jahr in einer globalen Ausnahmesituation leben, diese Veränderung körperlich wirklich verarbeiten. Diese Veränderung ist so gravierend, dass wir sie mental längst erfasst haben und mehr oder weniger gelernt haben damit umzugehen. Körperlich verarbeiten wir sie vielleicht jetzt erst so richtig.

Wenn du gerade ähnliche Erfahrungen machst, lade ich dich ein, deinem Körper die Zeit zu geben, die er jetzt braucht. Du brauchst nichts tun, dein Körper weiß genau wie das Verarbeiten funktioniert, wenn du ihm den Raum dafür gibst. Wenn du magst, kannst du in dich hinein spüren, ob dir gerade Ruhe und/oder Bewegung gut tut, um deinen Körper zu unterstützen.

Seitdem ich mir in den letzten Tagen bewusst Ruhe gönne, spüre ich, wie meine Energie langsam zurückkommt, und die Erschöpfung verschwindet.

Von Herzen,

Natalie

4 Kommentare

  1. Thank you for writing this Natalie, it resonates with me and I know your words will be soothing for so many people experiencing this right now. Xx

    Antworten
    • Thanks so much Emma! X

      Antworten
  2. Wenn der Körper noch völlig flau ist und er die Emotionen noch verarbeitet. Finde es einen tollen Erklärungsansatz über die Ayurveda, den du hier bereitstellst. Einfach das Gefühl da sein zu lassen und warten bis es weiterzieht.
    Danke dir hier für deine tollen Beiträge!!

    Antworten
    • Danke dir! 🙂

      Antworten

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Natalie Hardelt

„Ich helfe Frauen, mehr Ruhe, Weiblichkeit und Erdung in sich zu erschaffen, um kollektiv mehr Ruhe und Naturbewusstsein für unsere Erde zu entwickeln und so meinen Beitrag für eine gesunde Umwelt & Natur zu leisten.“

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